Von Lübeck an den Oder-Radweg

Eine Radreise im Zeichen von Spontanität und Hedonismus: Geplant war ursprünglich, von Lübeck nach Breslau zu radeln. Hängen geblieben sind wir letzten Endes auf dem Oder-Neiße-Radweg.

Denn warum sollte wir eilig Kilometer abspulen, wenn uns in einer Region besonders gut gefällt? Zudem war die Oderregion einfach so angenehm, dass wir keine Lust mehr auf verkehrsreiche polnische Straßen hatten. Hinzu kam das tägliche Kaiserwetter und heizte uns im Rekordsommer 2018 tüchtig ein.

Gesamtkilometer: 882,21

 

Etappe 1: Lübeck – Seehof (Schweriner See) (71,02 km)

Quer durch das westliche Mecklenburg bis ans Ufer des Schweriner Sees. In Lübstorf erwischt uns ein heftiger Regenguss – er soll der einzige auf dieser Radreise bleiben.

Erste Pause der Reise in Selmsdorf

 

Etappe 2: Seehof (Schweriner See) – Raben Steinfeld (Schweriner See) (32,45 km)

Weil uns Schwerin so gut gefällt, belassen wir es bei einer kurzen Etappe und genießen lieber die schöne Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern.

 

Am Schweriner See

 

Etappe 3: Raben Steinfeld (Schweriner See) Dobbertin (63,17 km)

Eine angenehme Etappe durch die sanfte Hügellandschaft Mecklenburgs. Empfehlenswert: Der Campingplatz am Dobbertiner See.

 

Bier und Vodka am Dobbertiner See

So übernachtet es sich prima!

Dobbertin

 

Etappe 4: Dobbertin – Waren / Müritz (77,62 km)

Ein heißer, schweißtreibender Tag. Leider ist die Infrastruktur im ländlichen Deutschland oft so schlecht, dass man gelegentlich arge Probleme mit der Wasser- / Bierversorgung bekommt. Das gemütliche Gutshaus Linstow erwies sich als unsere Rettung vor dem Verdursten. Kaum empfehlensert dagegen war der Campingplatz in Waren. Eine ungemütliche Massenunterkunft mit winziger Zeltwiese und riesigen Flächen für Wohnmobile. Zelten auf dem Großparkplatz, gewissermaßen.

Gemütliche Landstraße

Die Pervertierung des Urlaubs: Kasernierung in der künstlichen Betonwelt nahe der Autobahn (Van der Valk Resort Linstow)

Unsere Rettung, das Gutshaus Linstow

Etappe 5: Waren / Müritz – Mirow (47,70 km)

Die Landstraße über Schwarzenhof nach Speck ist für den Radverkehr gesperrt, obwohl nur wenig Verkehr herrscht. Eine fahrradfeindliche Regelung, die man locker wegklagen könnte. Sei’s drum. Dafür werden wir am urigen Ostufer der Müritz durch weite Sumpflandschaften geführt. Das Hotel „Mecklenburger Hof“ in Mirow ist leider teuer und wenig komfortabel. Schade.

Radtouristen unerwünscht…

Sumpfwiesen am Ostufer der Müritz

…mit regelmäßigen Aussichtstürmen

 

Etappe 6: Mirow –  Zehdenick (78,27 km)

Heute steht das nächste Bundesland auf dem Plan: Brandenburg. Mit Fürstenberg an der Havel erreichen wir die erste größere Stadt und das Zentrum des Fürstenbeger Seelandes. Durch idyllische Landschaften radeln wir in unmittelbarer Nähe der Havel in Richtung Süden. Auf dem gemütlichen Campingplatz „Marina Alter Hafen“ sind wir nahezu die einzien Zeltgäste und schlafen einen Steinwurf von der Havel entfernt.

 

Fürstenberg / Havel

Rast

Campen an der Havel

Etappe 7: Zehdenick – Berlin-Spandau (80,03 km)

Es ist heiß, die Temperaturen bewegen sich im oberen 30-Grad-Bereich. Wieder folgen wir der Havel, die urig durch die Landschaft mäandert. Über Liebenwalde und anschließend entlang des Oder-Havel-Kanals radeln wir nach Oranienburg, dessen Nähe zu Berlin sich an viel Verkehr und einer dichteren Bebauung bemerkbar macht. Die Orientierung ist zuweilen etwas kniffelig, allerdings helfen uns viele Radweg-Wegweiser dabei. Am späten Nachmittg erreichen wir schließlich den Campingplatz in Berlin-Spandau (Bürgerablage), der sogar über ein Küchenzelt für Rad- und Wandertouristen verfügt.

Liebenwalde

Oder-Havel-Kanal

Auf dem Campingplatz Berlin-Spandau (Bürgerablage)

Etappe 8: Berlin-Spandau – Erkner (62,29 km)

Einmal quer durch Berlin von Ost nach West, von Spandau in die östlich des Müggelssees gelegene Kleinstadt Erkner. Bis Mitte lässt sich die Metropole gut auf ruhigen Radwegen abseits des tosenden Straßenverkehrs durchfahren, danach wird es ungemütlicher. Wir fahren bereits in Charlottenburg ab, um am gleichnahmigen Schloß eine Pause zu machen und über Mitte und Kreuzberg nach Köpenick zu kommen. Und wieder erleben wir die schiere Größe der Millionenstadt, die troz einiger Stunden auf den Sätteln nicht Enden will. Selbst ab dem Müggelsee dauert es noch eine gefühlte halbe Ewigkeit, bis die Stadt endlich aufhört. In Erkner zelten wir auf dem Naturcampingplatz Naturfreunde Springeberg e.V..

Die Havel bei Spandau

Siemensstadt

Siemensstadt

Charlottenburg

Müggelsee

Zelten in Erkner

 

Etappe 9: Erkner – Frankfurt / Oder mit dem Zug (8,02 km)

Heute haben wir mal keine Lust, das Rad zu fahren. Mit dem Regionalexpress reisen wir nach Frankfurt an der Oder und nächtigen dort sogar in einem etwas besseren Hotel.

 

Etappe 10: Frankfurt / Oder – Ratzdorf (70,64 km)

Wenn Genussadeln, dann richtig. Der Oder-Neiße-Radweg ist die ideale Destination für eine Radreise weitgehend abseits des nervigen Autoverkehrs. Über lange Strecken radelt man auf einem Damm entlang der Oder, die als komplett naturbelassenes Gewässer einen faszinierenden Ausblick nach dem nächsten bietet. Eine erste Pause machen wir in Eisenhüttenstadt; die Temperatur hat bereits die 40°-Marke erreicht. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass wir unterwegs nur wenige Radtouristen sehen.

Südlich von Eisenhüttenstadt ist unser schöner Radweg leider gesperrt, so dass wir einen Umweg über Neuzelle machen müssen. Zum Ausgleich für die leicht langweiligen Agrarlandschaften entschädigt uns die barocke Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt. Endlich wieder an der Oder angekommen, verabschiedet sich diese nach Polen. Wir radeln weiter entlang der viel kleineren Neiße, die selbst an ihrer Mündung in die Oder eher wie ein größerer Bach anmutet.

Unser Zelt schlagen wir auf dem sehr weitläufigen und angenehm leeren Campingplatz in Ratzdorf auf. Hier befinden wir uns der Niederlausitz, hie und da spricht man Sorbisch.

 

Himmlisches Radfahren

…im Grenzland.

Ruine Kraftwerk Vogelsang

Hitze…

Eisenhüttenstadt

Kloster Neuzelle

Zelten in Ratzdorf

 

Etappe 11: Ratzdorf – Radlerhof Aurith (41,00 km)

Nach den gestrigen Temperaturrekorden wäre uns nie in den Sinn gekommen, dass es NOCH heißer werden kann. Die Rekordhitze veranlasst selbst uns Hitzeliebhaber, nur eine mittellange Etappe einzulegen. So radeln wir noch ein wenig an der Neiße entlang und machen uns wieder auf den Weg nach Norden. Unser Zelt schlagen wir auf dem gemütlichen Radlerhof Aurith auf – dort gibt es auch leckere kühle Getränke!

 

Die Neiße

Abendstimmung an der Oder

 

Etappe 12: Radlerhof Aurith –  Kostrzyn nad Odra (62,66 km)

Immer nur an der polnischen Grenze entlangzufahren, ist auf Dauer unbefriedigend. Also planen wir einen Abstecher ins östliche Nachbarland, nach Kostrzyn nad Odra. Bis Frankfurt / Oder ist uns der Oder-Neiße-Radweg bereits bekannt. Wir durchqueren das Zentrum der Stadt und werden per Radwegweiser zuverlässig aus ihr herausgeführt – leide aber nicht mehr auf den schönen Oderdeich, sondern an die lärmige B112. Die Topographie ist leicht hügelg, insbesondere Lebus hat so etwas wie eine Ober- und Unterstadt, zwischen denen ein beachtlicher Höhenunterschied liegt.

Ab Lebus radeln wir noch ein wenig an der Oder entlang, die wir in Küstrin-Kiez nach Polen überqueren. Kostrzyn ist eine mäßig sehenswerte Stadt mit reichlich Autoverkehr am Ortseingang. Allerdings kommen wir hier in den Genuß des guten polnischen Starkbieres!

 

Oderbrücke in Frankfurt / Oder

Lebus

Lebus

Oderbrücken Küstrin

Kostrzyn nad Odra

Warthebrücke

 

Etappe 13: Kostrzyn nad Odra –  Hohensaaten (56,77 km)

Und mal wieder ein heißer Tourentag. In Kostrzyn versorgen uns mit polnischem Bier (für die Pausen unterwegs) und machen uns auf den Weg nach Deutschland. Entlag der Oder radeln wir bis nach Hohensaaten, wo wir uns in einer Pension einquartieren (deren Wirt praktischerweise auch einen Getränkemarkt betreibt).

Wir navigieren ausschließlich analog!

 

Etappe 14: Hohensaaten – Schwedt / Oder (45,77 km)

Heute schwächelt das Wetter. Dunkle Woklen verhängen den Himmel und nach den vergangenen Hitzerekorden frösteln wir jetzt fast. Bei Hohensaaten trennt sich der Wasserlauf der Westoder vom Hauptarm und mündet erst hinter Stettin ins Stettiner Haff. Zwischen beiden Flußarmen breiten sich Feuchtwiesen aus, dort beginnt der Nationalpark Unteres Odertal. Schwedt präsentiert sich als Stadt der Gegensätze, in der sich von historischen Gebäuden im Stadtkern bis hin zu Plattenbausiedlungen an der Peripherie eine große Bandbreite an Eindrücken versammelt. Wir übernachten im Hotel am Wasserturm.

Schwedt

Schwedt

Schwedt

Etappe 15: Schwedt – Löcknitz (62,66 km)

Der Norden Ostdeutschlands präsentiert sich landschaftlich weitgehend langweilig. Eintönige Agrarflächen wechseln sich mit kleinen Wäldchen ab, und über alles pfeift heute ein unbarmherziger Wind. Kurz vor Penkun überqueren wir die Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern. Penkun zählt zu den kleinsten Städten Deutschland, was man nicht zuletzt daran merkt, dass es hier keine Einkaufsmöglichkeit gibt, die geöffnet hat.

In Löcknitz schlagen wir unser Zelt auf dem örtlichen Campingplatz auf.

 

Löcknitz, Campingplatz

 

Etappe 16: Löcknitz – Pase

walk (22,14 km)

Die letzte Etappe ist eine Arbeitsetappe. Um von Löcknitz nach Pasewalk zu kommen, muss Bundesstraße geradelt werden (B 104). Zum Glück verfügt die B 104 über einen nagelneuen Radweg, der das einigermaßen erträglich macht. Ab Pasewalk bringt uns ein Bummelzug wieder zurück nach Lübeck.

 

Pasewalk

Bahnhof Pasewalk

 

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